* NEWS * Wir arbeiten gerade an unserem Shop und informieren euch sobald wir damit online gehen.

KELLER. Aufmerksame Begleiter.

Im Keller verfolgen wir einen klaren Ansatz: So viel Aufmerksamkeit wie nötig. So wenig Eingriff wie möglich.
Wir sind keine Macher. Wir sind Begleiter. Dabei geht es uns nicht um Bescheidenheit, es geht um Haltung. Sie zeigt sich in tausend Kleinigkeiten. Dazwischen schauen wir hin. Und hören zu.

Alle Weine werden spontan mit traubeneigenen Hefen vergoren. Diese natürliche Gärung ist für uns die Grundlage, um Herkunft und Jahrgang unverfälscht abzubilden.

Die Rieslinge reifen überwiegend im großen traditionellen Holzfass, teilweise ergänzt durch Edelstahl. Das große Holz gibt Ruhe und Struktur, ohne in die Aromatik einzugreifen.

Chardonnay und Spätburgunder werden konsequent im französischen Holz ausgebaut – vom klassischen Barrique bis zum Tonneau. Der Holzeinsatz ist präzise dosiert und dient der Textur, nicht der Dominanz.

Darüber hinaus bekommen unsere Weine vor allem Zeit. So viel, wie sie brauchen.
Langes Hefelager, ruhige Entwicklung und späte Entscheidungen sind zentraler Bestandteil unserer Arbeit.

Die Schwefelung erfolgt bewusst spät und zurückhaltend, meist erst nach der Gärung bzw. kurz vor der Füllung. Die lange Lagerung auf der Hefe gibt den Weinen zuvor natürlichen Schutz und Stabilität.

Unsere Arbeitsweise ist ruhig und besonnen, mit feinen, schonenden Methoden: langsame Pressung, ruhige Gärung, behutsamer Ausbau. Sauerstoff als Werkzeug, nicht als Risiko.

Geduld und Vertrauen sind keine Tugenden. Sie sind Voraussetzung.
Wir formen keinen Stil. Wir lassen ihn entstehen.

HERKUNFT. Und was wir darüber denken.

„Nur der Wein erlaubt dem Menschen, den Geschmack der Erde zu verstehen.“
— Colette

Dies schrieb die französische Schriftstellerin Sidonie-Gabrielle Colette bereits 1932 in ihrem Werk "Prisons et Paradis". Ein Gedanke, der uns seit Jahren begleitet. Und der ziemlich genau beschreibt, worum es uns geht.

Herkunft ist für uns nichts Abstraktes. Sie ist konkret. Greifbar. Schmeckbar.

Im Welzbachtal treffen unterschiedlichste Böden und Mikroklimata auf engstem Raum aufeinander. Kalkstein, Eisenstein, Ton – jede Parzelle bringt ihren eigenen Charakter mit. Unser Anspruch ist es, diese Unterschiede nicht zu glätten, sondern herauszuarbeiten. So präzise wie möglich. So unverfälscht wie möglich.

Der entscheidende Ort dafür ist der Weinberg.

Hier entsteht, was später im Glas spürbar ist. Balance ist dabei der Schlüssel: das Zusammenspiel von Boden und Rebe, von Wuchs und Ertrag, von Reife und Frische. Nur wenn dieses Gleichgewicht stimmt, entstehen Trauben, die mehr sind als nur gesund – Trauben, die Herkunft tragen.

Dafür braucht es Genetik. Ökologischen Weinbau. Lebendige Böden. Und vor allem Verständnis. Dafür, wann es nötig ist einzugreifen und wann nicht.

Am Ende geht es nicht darum, einen Stil zu behaupten. Sondern darum, den Ort zu verstehen. Hinzuhören.

Große Weine erklären sich nicht, sie zeigen sich. Still. Und doch unübersehbar.

RHEINHESSEN. Eine Herzensangelegenheit. Eine Liebeserklärung.

An ein Anbaugebiet, das wir seit Generationen unser Zuhause nennen.

Deutschland ist Riesling. Und Riesling entsteht hier an der nördlichen Grenze des Weinbaus – dort, wo Reife kein Selbstläufer ist, sondern jedes Jahr neu erarbeitet werden muss. Kühle Nächte bewahren die Säure, lange Vegetationsperioden sorgen für Aromentiefe und die langsame Reife bringt eine Präzision hervor, die man nicht erzwingen kann.

Weinbau hat hier eine lange Geschichte. Schon die Römer erkannten das Potenzial dieser Region. Und bis heute gilt: Große Lagen entstehen nicht zufällig. Der Rhein und seine Nebenflüsse wirken als Wärmespeicher, gleichen Temperaturen aus und verlängern die Reife im Herbst. Gleichzeitig ist Rheinhessen weit mehr als Flusslage – ein offenes Hügelland, geprägt von Exposition, Luftbewegung und vielfältigen Mikroklimata.

Und genau hier wird Rheinhessen interessant.

Eine der vielfältigsten Regionen Europas – oft unterschätzt, gerade weil sie so viel kann. Böden wechseln auf engstem Raum: Löss, Kalkstein, Ton, Quarzit, Eisenstein, Sandstein. Diese Vielfalt ist keine Idee, sondern Realität – und macht Herkunft schmeckbar.

Doch entscheidend ist, was wir daraus machen.

Rheinhessen hat sich nicht zufällig verändert. Eine neue Generation arbeitet präziser, reduziert Erträge und denkt langfristiger. Weg vom schnellen Ergebnis, hin zu Weinen mit Tiefe und Dauer.

Wir sind Teil dieser Bewegung.

Rheinhessen bringt heute einige der präzisesten trockenen Rieslinge Deutschlands hervor – mit Klarheit, Zug und Länge. Gleichzeitig haben sich die Bedingungen verschoben: Das Klima entspricht heute dem, was vor wenigen Jahrzehnten in klassischen Burgunderregionen herrschte. Genau darin liegt die Zukunft – großes Potenzial für Spätburgunder und Chardonnay.

Rheinhessen ist kein Versprechen. Es ist ein Beweis.

Und wenn man einmal versteht, was hier möglich ist, lässt einen dieser Ort nicht mehr los.

Uns hat er nie losgelassen.

DAS WEINJAHR 2024 – Ein Jahrgang mit Haltung. Und Herkunft.

Schwierige Jahre muss man annehmen. Mehr noch: Man muss nicht nur das Beste, sondern das Außergewöhnliche aus ihnen machen.

Ein kurzer Rückblick: Der Herbst 2023 hat uns das einmal mehr vor Augen geführt. Ohne unser großartiges Team wäre diese intensive Zeit nicht zu stemmen gewesen. Außergewöhnliches ist und bleibt eben Teamwork – das Zusammenwirken von Herzen, Händen und kreativen Ideen. Ein Engagement, für das wir von der Natur belohnt wurden. Schließlich wendete sich alles zum Guten. Denn was noch im Herbst viele schlaflose Nächte voller Arbeit und Sorgen verursachte, wendete sich im Frühjahr 2024 zum Guten! Der überdurchschnittliche Niederschlag, der während der Lese einsetzte und uns den gesamten Winter hindurch begleitete, war letztlich ein Segen. Der Grundwasserspiegel konnte endlich wieder auf ein normales Maß ansteigen – zum ersten Mal seit acht Jahren.

Beflügelt von diesen glücklichen Rahmenbedingungen starteten wir im Weinberg in das Weinjahr 2024:

Am 12. April pflanzten wir im Oberen Aufland – im Kernstück des Hundertgulden – voller Energie und Vorfreude eine neue High-Density-Anlage. An einem sonnigen, beinahe sommerlichen Samstag mit über 20 °C. Eine Riesling-Anlage mit alter Genetik und kleiner Traubenstruktur. Die Stockdichte von 20.000 Reben pro Hektar verspricht uns jene komplexe Aromatik, die wir uns für die Zukunft wünschen. Wir können es kaum erwarten, hier die ersten Trauben zu ernten, und sind überzeugt, dass diese Reben bereits in jungen Jahren Großartiges hervorbringen werden. Gleichzeitig waren die ersten zarten Spitzen in den Weinbergen zu erblicken: Der Austrieb unserer Chardonnay- und Spätburgunderreben startete am 10. April, die Rieslinge zeigten etwa vier Tage später ihr erstes Grün. Es folgten angenehme, T-Shirt-taugliche Tage. Die Ruhe vor dem Sturm, denn die Natur ist und bleibt unberechenbar!

Am 22. April traf eine späte Kältewelle große Teile Rheinhessens. Die Wettervorhersage ließ uns abends mit Bauchschmerzen zu Bett gehen – und in der Tat brachte die Nacht Frostschäden in vielen Regionen. Wir hatten Glück: ein „blaues Auge“ – mehr nicht. In vier Parzellen ein Totalausfall, doch die restlichen Lagen am Westerberg mit guter Luftzirkulation und Höhenlage haben uns geschützt.

Die Blütezeit fiel dieses Jahr genau in die Schafskälte (4.–20. Juni), einem Kälteeinbruch, der durch einströmende, kalte Polarluft verursacht wird. Über einen Zeitraum von fast drei Wochen kam die Blüte durch die wechselhaften Temperaturen immer wieder ins Stocken. Sie dauerte ungewöhnlich lange – mit positiven wie auch negativen Auswirkungen. Die Verrieselung ließ eine schöne, lockere Beerenstruktur entstehen, aber auch unterschiedliche Reifegrade sowie verschiedene Aromen- und Phenolstrukturen an einem einzigen Stock. Für uns bedeutete das: noch präzisere Beobachtung, noch feinere Arbeit in jedem einzelnen Weinberg.

Das Wetter blieb auch über den Sommer und somit während der gesamten Entwicklungsphase der Trauben – bis hin zur „Veraison“, dem Weichwerden der Beeren – weiterhin wechselhaft. Wärme, aber auch immer wieder Niederschlag: verwöhnende Bedingungen für Böden und Vitalität der Reben. Leider auch für den Falschen Mehltau. Das Risiko für Infektionen stieg. Feuchte Jahre sind für uns und unser Team in den Weinbergen herausfordernd und arbeitsintensiv. Trotz größter Bemühungen kostete uns dieser nasse Sommer einige Trauben. Letztlich ging es nur noch darum, durch Pflanzenschutz die Ausfälle so gering wie möglich zu halten.

Selektionsarbeit war angesagt: In einer grünen Lese haben wir alle Trauben, die sich durch die verzettelte Blüte in einem unreiferen Entwicklungsstadium befanden, sowie alle vom Mehltau befallenen Beeren selektiert. Das Aussortieren musste vor dem Hintergrund der Jahrgangsbeschaffenheit besonders akribisch erfolgen, um am Ende nur gesunde und vollreife Trauben ernten zu können.

Entspannung kam erst ab dem 8. August: gemäßigte Temperaturen und fast vier Wochen trocken! Optimal für die Reifephase der Trauben – wir konnten erstmals durchatmen. Dann, am 4. September, folgten 18 Liter Regen – zur richtigen Zeit, denn sie gaben den Trauben kurz vor Lesebeginn einen regelrechten Reifeschub und Aromakick.

Ein goldener Herbst – mit langem Atem.

Am 12. September fiel dann der Startschuss zur Lese. Noch immer wiesen einzelne Trauben leichte Unterschiede in Reife und Entwicklung auf. Daher wurden zu Beginn der Lese noch einmal alle Anlagen vorgelesen, sodass nur noch perfekte Trauben am Stock hingen.

Dann starteten wir mit Chardonnay, gefolgt von Spätburgunder. Gesunde Trauben, ausgeglichene Säuren, klare Aromen – ein Versprechen für Charakter. Danach folgten die ersten Rieslingtrauben. Die Lese verlief ruhig und gleichmäßig, keine Hektik, kein Wetterdruck – bis zum Abend des 26. September. Es war 20 Uhr, wir standen gerade in unserer Parzelle im Goldberg, als der Regen kam. Weil wir wussten, dass er in der Nacht stärker werden würde, wurden kurzerhand alle verfügbaren Kräfte mobilisiert. Wir schnitten so lange, bis wir in der Dunkelheit kaum noch etwas erkennen konnten. Es war die richtige Entscheidung: 30 Liter Regen – in nur einer Nacht.

Unser Glück: Zu dieser Zeit waren die Temperaturen bereits merklich zurückgegangen. Wir hatten Tageshöchsttemperaturen von maximal 15 Grad, nachts sank das Thermometer zum Teil auf nur zwei Grad. Was beim Schneiden vormittags für richtig kalte Füße sorgte, war für den Riesling unheimlich wichtig: Durch die kalten Temperaturen entwickelte sich kaum Fäulnis. Andernfalls wäre es wohl eine Katastrophe geworden.

Nach dem Regen folgte eine Lesepause von zwei Tagen – die Trauben brauchten Zeit zum Trocknen. Zusammen mit der Kälte war diese Zeit das i-Tüpfelchen für Reife und Aromatik.

Am 17. Oktober schlossen wir mit dem Finale im Steinacker und im Honigberg ab – eine Lese, die genau so lange dauerte, wie es die Trauben verdient hatten.

Ein Jahrgang, der bleibt.

Für uns trennt 2024 erneut die Spreu vom Weizen. Ein sehr arbeitsintensiver Jahrgang liegt hinter uns. Dank unserer großen und motivierten Lesemannschaft konnten wir die aufwändige Selektion und die akribische Detailarbeit bewältigen – und es hat sich gelohnt.

Der 2024er bringt alles mit, was wir lieben: saftige Frucht, feine Säure, Balance. Es ist ein Jahrgang, der nicht laut sein will – sondern präzise ist. Kein „Showjahr“, kein „Auftrumpfer“, sondern ein ehrlicher Botschafter seiner Herkunft. Einer, der nachwirkt – mit Klarheit, Struktur und innerer Ruhe. Ein Jahrgang, der diesen Ort spürbar macht. Und dem man ruhig Zeit geben darf. Dank der kühlen Temperaturen während der Lesezeit wurde die Säure konserviert, und die Zuckergehalte blieben moderat. Die Weine sind raffiniert – und trotz des niedrigen Alkoholgehalts komplex, da wir unheimlich hohe Extraktwerte haben. Ein sehr feiner Jahrgang.

Der Riesling zeigt sich leicht würzig mit kühler, feiner Frucht, tänzelnder Säure und salziger Mineralität. Der Chardonnay kommt klar, seidig und strukturiert daher – mit Tiefgang und Ruhe. Der Spätburgunder profitiert von der langen Vegetation: feine Tannine, rote Frucht, lebendige Frische.

Der einzige Wermutstropfen: die kleine Menge, die eine Folge der umfangreichen Selektion ist.

Die Krönung des Jahrgangs.

Unser emotionales Highlight war die offizielle Klassifikation unserer Lage Honigberg als VDP.GROSSE LAGE. Ein Meilenstein – denn dieser Ort begleitet unsere Familie seit Generationen. Nun gehört er zu den deutschen Spitzenlagen. Ein unglaublich schönes Gefühl.

Wir sind voller Vorfreude, Ihnen unser diesjähriges Sortiment vorzustellen – und wieder einmal unheimlich dankbar für all die Menschen, die uns auf unserem Weg begleiten und unterstützen. Dafür gilt es: DANKE zu sagen.

Corina & Tobias Knewitz
Appenheim, im Frühjahr 2025

22. August 2026 
12:00 bis 18:00 Uhr
Rheinblick 13, 55437 Appenheim

CATERING
Hundertguldenmühle, Appenheim

GASTWINZER
Weingut Dr. Bürklin-Wolf 
Weingut Margarethenhof Forst

Glaspfand 20€ (bitte in bar mitbringen)
Über Ihre Anmeldung freuen wir uns unter:
info@weingut-knewitz.de